2018 und danach?

 

Das vorletzte Thema der Beitragsparde der Bildungspunks „Wie kann Schulentwicklung in der digitalen Transformaton gelingen?“ ist ein sehr aktuelles, ein wichtiges Thema und gleichzeitig auch ein vielfältiges. So viele Schulen – so viele Möglichkeiten – so viele unterschiedliche Bedingungen. Deshalb habe ich mich gefragt: Was erwarte ich von Schule und Bildung im Jahr 2018, von Schule und Bildung in der Zukunft? In welche Richtung werden sich Schule und Bildung an sich entwickeln? Sicher ist, dies wird ein Prozess sein, der

a) länger dauert,

b) individuell (von Schule zu Schule) unterschiedlich verlaufen wird,

c) von der digitalen Transformation in der gesamten Gesellschaft abhängt.

Es wird sicher nicht den EINEN Weg geben. Gute Bildung besteht aus Tradition und muss in die Zukunft führen – ein Entweder/Oder wird es nicht geben, eine differenzierte Betrachtung ist unerlässlich, wie auch im Blogpost von Elke Höfler „Raus aus der Filterblase“ nachzulesen ist. Differenziert muss aber auch heißen – offen für die neuen (digitalen) Entwicklungen, die jetzt schon die Gesellschaft verändern. Da kann sich Schule nicht abschotten. Digitale Transformation eröffnet nicht nur Möglichkeiten, analoge Prozesse ein wenig schneller oder auch papierlos zu gestalten. „Das Medium ist die Botschaft“  stellte McLuhan 1967 fest und zeigte auf, dass neue Medien nicht nur die Art und Weise der Kommunikation verändern, sondern auch Wahrnehmung und Denken der gesamten Gesellschaft verändern.

This fact merely underlines the point that “the medium is the message” because it is the medium that shapes and controls the scale and form of human association and action.

Digitale Transformation wird nicht nur Korrekturen oder Verbesserungen an Bestehendem auslösen, sondern das Bildungssystem in seiner Konstruktion verändern. Lernen und Lehren, Inhalte und Wege müssen neu gedacht werden. Dieser Veränderungsprozess braucht eine Vision, ein Ziel, auf das Umgestaltungen und Entwicklungen hinarbeiten und das sicher immer wieder an neu angepasst werden muss.

Die Zukunft der Bildung liegt in einem „blended approach“. Lernen, jedenfalls das, was wir bisher darunter verstanden haben, reicht im 21. Jahrhundert nicht mehr aus. Fakten sind verfügbar – immer einen Click entfernt. Ich muss aber in der Lage sein, Fakten zu recherchieren, zu bewerten, einzustufen, zu verarbeiten, zu verbinden – neues Wissen, neue Zusammenhänge herzustellen und dieses zu erklären und zu präsentieren. Dabei findet Lernen meist nicht als Einzelleistung statt. Der Lernprozess muss auch um die Dimension sozialer Interaktion erweitert werden. Lernprozesse sind maßgeblich von soft skills geprägt. Kommunikation, Teamarbeit, positive Grundeinstellung, Aufgeschlossenheit gegenüber Neuem und anderen Meinungen sind unabdingbare Voraussetzung und wichtiger denn je und sollen Grundlage für ein lebenslanges Lernen sein.

Der Veränderungsprozess im Bildungsbereich hat schon eingesetzt. Schulen sind unterschiedlich weit im Zuge der digitalen Transformation vorangekommen. Meist wurde auf das WAS fokussiert – Software, Ausstattung, Technik. Notwendig ist die Klärung der Frage, WIE gelernt werden soll. Wenn man davon ausgeht, wie sich Arbeiten durch Digitalität verändert, kann man dies auf schuliche Prozesse übertragen:

  • agiles Arbeiten
  • Arbeiten in Projekten
  • flexible Gruppen
  • zeit- und ortsunabhängig

 Vernetzung_und_Kommunikation

Schule als Lernraum

Schule soll ein Ort des Lernens im Sinne von Kollaboration, Austausch und kritischer Reflexion bleiben. Schüler*innen treffen sich, um Inhalte gemeinsam zu erfassen, zu erschließen, zu bearbeiten. Solch eine fordernde Arbeit – und nichts anderes als Arbeit ist es – sollte unter optimalen Bedingungen ablaufen. (siehe auch weiter unten: Schule als Gebäude)

Betrachtet man diese Lernzeit in Schule als Arbeitsprozess wird einem schnell klar, dass hier die Prozesse gemäß der Enstehungzeit von Bildungseinrichtungen (auch so ein schönes Wort 😦 – erinnert mich an Kaserne oder Gefängnis) noch in den Strukturen der Industrialisierung und der Fließbandarbeit ablaufen: Zeit-, Raum- und Organisationsstruktur.

Agiler Arbeiten wird in der Wirtschaft gefordert, weil die schnelle Reaktion auf Veränderungen mit den alten Methoden nicht in ausreichendem Maße möglich sind. Schule soll  da anders sein? Warum? Schule ist Teil der Gesellschaft und steht auch genau vor diesen Herausforderungen. Warum also nicht mit agilen Methoden in Schule arbeiten? Tools/Arbeitsmethoden wie Scrum, Kanban ( hier ein Beispiel: Kanban for Kids)oder Trello (Andre Hermes hat zum Einsatz von Trello im Geographieunterricht beim @excitingEdu ein Beispiel vorgestellt) bieten sich vor allem bei Projektarbeit an, die einen höheren Stellenwert beim Lernen einnehmen muss. Wer würde abstreiten, dass Arbeiten in starren, unflexiblen Gruppen überholt ist? Man sucht sich Kooperationspartner, Leute, die für die Erledigung der Aufagbe hilfreich sind, mit denen man gut zusammenarbeiten kann – entsprechend der Projekthematik und -herausforderung. Für Schule bedeutet das fächerübergreifend (Sind Fächer unserem heutigen Verständnis nach noch nötig oder müssten sie inhaltlich neu bstimmt werden?) und jahrgangsübergreifend (Lässt sich Wissensstand verbindlich an Altersklassen binden?) lernen.

Damit dieses fächer- und jahrgangsunabhängige, projektorientierte Arbeiten funktionieren kann, müssen bestimmte Voraussetzungen gegeben sein – ganz lapidare Grundvoraussetzungen:

genügend Personal – zum Begleiten, Anleiten, Material zur Verfügung stellen, Bewerten (nicht benoten), Beraten, Organisieren, …

technische Ausstattung – Papier (ja, auch das wird es noch geben ;)), Materialien zum Erstellen von Präsentationen in allen Varianten, Breitbandanschluss, WLAN, Aufnahmegeräte, Beamer, … alles frei auswählbar

räumliche Ausstattung – ausreichend vorhandene und entsprechend ausgestattete Rämlichkeiten für GA, PA, Projektarbeit, …

Da Lernen nicht Selbstzweck ist, sollte Schule allgemein und speziell die Projekte in die bestehenden örtlichen Gegebenheiten eingebunden werden. So wird auch  moralisches, ethisches sowie soziales Lernen einbezogen und den Schüler*innen bewusst gemacht, wie wichtig ihr Beitrag zur Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft ist.

Schule als Lehrraum

Aus der Perspektive der Lehrer gesehen ist und bleibt Schule Arbeitsplatz. Allerdings sollte der eigentliche Arbeitsplatz auch vorhanden sein – mit ausreichend technischer Ausstattung (s.o.) Das Vorhandensein eines schulischen Arbeitsplatzes ist wichtige Voraussetzung für ein effektives, kooperatives Arbeiten im Kollegium bei Planung, Gestaltung und Reflexion von Unterricht.

Und die Arbeit ist nicht nur im Sinne der o.g. Aufgaben (siehe „genügend Personal“) zu verstehen, sondern schließt auch die Teamarbeit untereinander und die Fortbildung mit ein. Gerade letzteres wird sich ändern müssen – weg von zentral vorgegebenen Veranstaltungen mit frontalem Input hin zu Micro-Fortbildungen an den Schulen selbst – von Kollegen für Kollegen, in Netzwerken der Schulen und Kollegen, zum produktiven Austausch. Hier zwei Beispiele dazu, von Elke Noah und Frau Sonnig. Auch webinare und MOOCs sind Angebote, die mehr Beachtung im schulischen Bildungsbereich finden müssen. Ein nahezu unerschöpfliches Angebot bietet Jürgen Wagner mit seinen Globinaren. Ebenso wird in der Lehrtätigkeit mehr der Bezug zu außerschulischen Lernorten und damit die Kooperation mit anderen Partner eine Rolle spielen. Dies müssen Lehrpersonen auch zeitlich leisten können, heißt – es muss ein ausreichendes Stundenvolumen dafür zur Verfügung stehen.

 

Schule als Organisation

Der erste Gedanke, der mir zu diesem Gesichtspunkt in den Sinn kommt, ist Organisation als Lebewesen. Ich denke, dieser Vergleich ist auch treffend, denn Schule funktioniert wie ein lebender Organismus. Ein optimales Zusammenspiel aller „Zellen“ (Schülerinnen, Lehrinnen, Eltern, Kommune, …) ist für ein erfolgreiches Funktionieren und Wachsen notwendig. Die Abläufe müssen gut aufeinander abgestimmt sein und dafür ist Kommunikation entscheidend. Digitale Kanäle mit entsprechendem Datenschutz und Zugriffsrechten sowie der Möglichkeit der Kooperation zum Planen, Erstellen und Bearbeiten – hört sich für mich im Jahr 2018 eigentlich nicht unbedingt nach Wunschdenken an, sondern sollte Realität sein. Damit Schule auch so funktionieren kann, muss Schulleitung als Team geführt und mehr Entscheidungsfreiheiten für ihre Schule haben.

 

Schule als Gebäude

Andere Anforderungen benötigen andere räumliche Möglichkeiten. Für projektbasierten Untericht, jahrgangsübergreifend, fächerübergreifend – für Schule, die nicht mehr der Schule in den heutigen Strukturen von Klassen, Klassenlehrer, mit Versetzung und schriftlichen Prüfungen entspricht, bedarf es auch eines neuen Raumkonzepts: mehr Räume unterschiedlicher Größe – kombinierbar, stabiles WLAN, Beamer, Breitbandzugang, „Kulturzugangsgeräte“, Tafel, Bücher/Bibliothek, Makerspace, Schulgarten, grünes Klassenzimmer, Sportplätze, … Schule muss als Ort der Präsenz und Kooperation, aber auch der globalen Vernetzung dienen.

Schule und Lernzeit

Sehr unklar ist für mich noch die Frage der Zeitstruktur. Lernen und Lehren wird im Zuge der digitalen Transformation nicht mehr orts- und zeitgebunden stattfinden (müssen). Sehr wohl aber werden Ort und Zeit zur Zusammenarbeit eine Rolle spielen. Digitale Werkzeuge und Arbeitsweise ermöglichen eine Kooperation, aber nicht immer wird der digitale Workflow genügen, der persönliche Kontakt ist für eine gute Zusammenarbeit hilfreich und sollte auch in der Schule nicht vernachlässigt werden. Teamarbeit, Diskussionen, Feedback, … brauchen auch „face to face“-Momente. Schüler*innen sollte aber auch Möglichkeiten eingeräumt werden, von anderen Lernorten aus zu arbeiten. Dies bedeutet Zeitstruktur in der Schule (Anwesenheitspflicht, Stundenvolumen, Lehrerstunden, …) neu zu denken.

Schule und Bewertung

Ein immer wieder diskutiertes Thema. Sowohl Befürworter als auch Gegener führen Argumente ins Feld, die zu bedenken sind. Es sollte aber nicht die Abrechenbarkeit von Leistungen im System Schule entscheidend sein, sondern die Frage der Förderung von Bildung und Erziehung junger Menschen, damit ihnen nach ihrer Schulzeit eine echte, aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglicht wird. Unter dieser Betrachtungsweise stellt sich die Frage der Notwendigkeit von Benotungen wie in der jetzigen Praxis gehandhabt. „Formative Assessment“ wird eine entscheidende Rolle spielen müssen, denn prozessbegleitendes, motivierendes Feedback ist das, was Lernprozesse wirklich unterstützt und Lernzuwachs sichert. Dies muss sich auch auf Prüfungen und Abschlüsse auswirken. Für mich ist die logische Konsquenz eine Prüfung der aufnehmenden Einrichtung, also Eignungstests, die auf die Qualitäten fokussieren, die für die z.B. berufliche Richtung, die eingeschlagen werden soll, wichtig sind. So verlieren allgemeine Durchschnitte ihre Bedeutung, aber ein Nachweis für die wirklich erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten kann geprüft werden.

Im Verlauf der digitalen Transformation werden mehr Fragen aufgeworfen als gelöst. Dies ist aber nicht anders als in jedem anderen Entwicklungsprozess vergleichbarer Dimension. Jetzt kommt noch der Zeitdruck hinzu, der eine schnelle Anpassung auf Grund der rasanten technischen Entwicklungen erfordert. Jeder Lehrperson sollte klar sein, dass sie sich mit den Fragen zur Zukunft der Bildung beschäftigen muss. Ein Abwarten ist nicht möglich!

 

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